Zitationsregeln

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Die hier vorgestellten Zitationsregeln stellen selbstverständlich nur eine Möglichkeit dar, die Quellen richtig wiederzugeben. Sie sollen lediglich ergänzend zum Leitfaden einige Aspekte des richtigen Umgangs mit der Literatur detaillierter klären. Die vorliegende Seite ist dazu gedacht, das Zitieren besonders in den Seminararbeiten durch eine ausführlichere Anleitung zu verbessern (vor allem in meinen Seminaren ;-).

Christian Hildmann


Inhalt


Was ist zu zitieren?

In einer wissenschaftlichen Arbeit müssen alle Gedanken, Argumente und Formulierungen anderer Autoren, die vom Verfasser der Arbeit wörtlich oder sinngemäß übernommen, diskutiert oder abgelehnt werden, als solche kenntlich gemacht, d.h. "zitiert" werden. Dabei muß auch nachvollziehbar bleiben, welchem Autor welche Aussage zuzuordnen ist: das Zitat muß also in direkter Nähe zur Aussage stehen. Lediglich am Ende des Absatzes die Zitate gesammelt abzuladen genügt also nicht.

In der wissenschaftlichen Literatur trifft man auf teilweise etwas unterschiedliche Verfahren; die hier vorgestellten Regeln schlagen eine einheitliche Zitationsweise vor, deren Anwendung für die Seminarberichte empfohlen wird.

Generell kann unterschieden werden zwischen

Zitate im fortlaufenden Text

Wörtlich aus der Literatur übernommene Formulierungen werden im fortlaufenden Text an ihrem Anfang und an ihrem Ende in doppelte Anführungszeichen gesetzt. Ein derartiges Zitat muß den Wortlaut des zitierten Originals exakt wiedergeben und darf dessen ursprünglichen Sinnzusammenhang nicht verändern. Dazu wird der Autor mit Angabe der Jahreszahl und der Seitenzahl genannt; der Name des Autors wird in sog. "Kapitälchen" geschrieben. Kapitälchen werden so gesetzt, daß Großbuchstaben die normale Größe behalten, Kleinbuchstaben zu Großbuchstaben geringerer Größe umgewandelt werden. Ein Beispiel:

"Der Wald erhält sich selbst, denn er düngt sich selbst" (FRANCÉ 1909: 72).

Wird in einem Zitat ein Text durch Auslassung von Worten verkürzt, so ist dies durch drei Punkte und eckige Klammern zu kennzeichnen:

"These ecosystems [...] are of the most various kinds and sizes." (TANSLEY 1935: 299).

Neben dem direkten Zitat gibt es noch die Möglichkeit des sinngemäßen Zitierens:

Für die Größenentwicklung der Blätter stellen die Temperaturverhältnisse einen wichtigen Faktor dar (EBERMAYER 1876: 38).

Wird ein weiteres Zitat aus derselben Quelle übernommen, so kann statt der vollständigen Autorennennung ein "ebenda", abgekürzt "ebd." verwendet werden. Stammt das Zitat nicht von derselben Seite, so ist die Seitenzahl mit anzugeben ("ebd. 34").

Im Gebirge sind die Buchenblätter viel kümmerlicher entwickelt, als in der Ebene (edb.).

Wird der Autor direkt im Satz genannt, so folgt Jahreszahl und Seitenangabe danach in Klammern:

KIRWALD (1950: 49) vertritt die Auffassung, daß durch waldwirtschaftliche Maßnahmen der gesamte Landschaftshaushalt zu regeln sei.

Zitate sollen unmittelbar sein, d.h., es sollte möglichst vermieden werden, Literatur zu zitieren, die lediglich bei einem anderen Autor zitiert wird, da sich hier Fehler und Ungenauigkeiten einschleichen können. Manchmal läßt sich dies jedoch nicht umgehen, wenn die Quelle nicht besorgt werden kann. In der Literaturliste sind dann beide Quellen anzugeben. Das Zitat im Zitat wird durch "zit. in" kenntlich gemacht:

In Nordamerika färben sich alle Baumblätter im Herbst zitronengelb, rosenrot, blutrot, purpur- und zinnoberrot (ZU WIED 1864: 79 zit. in EBERMAYER 1876: 4).

Haben mehr als drei Autoren ein Werk verfaßt, so beschränkt man sich im fortlaufenden Text auf den ersten und fügt ein "et al." (= et alteri, und andere) an. Dies gilt nicht im Literaturverzeichnis, hier sind alle Autoren zu nennen!

Die Artenzusammensetzung im Phytoplankton wurde nach RIPL ET AL. (1990: 62) nicht nur durch das Nährstoffniveau, sondern auch durch häufige und ausgeprägte Pulse beeinflußt.

Mündliche Zitate oder schriftliche Mitteilungen sind im Text kenntlich zu machen; im Literaturverzeichnis tauchen sie nicht auf.

Der Bootsverkehr auf den Kanälen rund um Berlin hat nach der Wende deutlich zugenommen (MÜLLER 1994, mdl.).

Unsicherheiten in den Modell- und Simulationsergebnissen resultieren aus der Verwendung realer Daten zur Modellbildung (ABAKUS 1993, mdl. Mitt.).

Das Literaturverzeichnis

Zu jedem Text gehört ein Literaturverzeichnis, in das alle zitierten Quellen aufgenommen werden müssen. Nicht zitierte Literatur gehört nicht hinein, auch wenn sie irgendwie etwas mit dem Thema zu tun hat!

Das Literaturverzeichnis ist in die Kategorien

zu gliedern. Außerdem gibt es einige allgemein gebräuchliche Abkürzungen.

Literatur

Das Literaturverzeichnis kann (muß aber nicht) noch einmal in gedruckte Quellen und Internetquellen unterteilt werden. Der Zitierweise von Internetquellen ist ein eigener Abschnitt gewidmet.

Jede Quelle wird belegt mit:

Dazu nun einige Beispiele:

1. Wir belegen ein Buch:

BÄTZING, W. (1984): Die Alpen - Naturbearbeitung und Umweltzerstörung. - Frankfurt/M.

PRIGOGINE, I. & STENGERS, I. (1986): Dialog mit der Natur: Neue Wege naturwissenschaftlichen Denkens. 5. erw. Aufl.. - München, Zürich

2. Wir belgen einen Aufsatz/Artikel in einer Zeitschrift:

KÜBLER, K. & AMMER, U. (1992): Der Einsatz von Fernerkundungsverfahren zur automatisierten Klassifizierung von Biotoptypen. In: Natur und Landschaft 67 (2), 51-55

MITSCH, W.J. (1992): Landscape design and the role of created, restored, and natural riparian wetlands in controlling nonpoint source pollution. In: Ecological Engineering 1 (1/2), 27-48

(bedeutet: im Jahrgang 1, Doppelheft 1/2, Seite 27-48)

3. Wir belgen einen Artikel in einem Band in einer Reihe:

HILDMANN, CH. & KRONSHAGE, A. (1988): Verbreitung und Siedlungsdichte von Rana temporaria in Schwelm. In: Jb. Feldherpetologie Bd. 2, 89-107

Oft besitzt der Band der Reihe noch einen eigenen Titel (vgl. auch 4.):

HORNUNG, U. (1992): Was kann Regionalisierung leisten? Über die Verwendung von Daten der räumlichen Variabilität. In: Regionalisierung der Hydrobiologie = Mitt. 11 der Senatskomm. für Wasserforschung, 45-54

VAN GLEDER, J.J. & BUGTER, R. (1987): The utility of thermo-telemetric equipment in ecological studies on the Moor Frog (Rana arvalis NILSSON): a pilot study. In: Der Moorfrosch: Metelener Artenschutzsymposium = Beih. Schr.R. Naturschutz und Landschaftspflege in Niedersachsen 19, 147-153

4. Ist ein Buch in einer Reihe erschienen, so muß es heißen:

DIGERFELD, G. (1972): The postglacial development of Lake Trummen = Fol. Limnol.Scand. 16.

LESER, H. (1991): Landschaftsökologie: Ansatz, Modelle, Methodik, Anwendung = UTB 521. 3. völlig neubearb. Aufl. - Stuttgart

5. Wir belegen eine Abhandlung innerhalb eines herausgegebenen Buches:

BURMEISTER, E. G. (1990): Begriffsbestimmungen anhand der Moortypen Mitteleuropas. In: GÖTTLICH, K. (Hg.): Moor- und Torfkunde, 1-27. - Stuttgart

PRYGIEL, J. (1991): Use of benthic diatoms in surveillance of the Artois-Picardie basin hydrobiological quality. In: WHITTON, B.A., ROTT, E. & FRIEDRICH, G. (Eds.): Use of algae for monitoring rivers, 89-96. - Innsbruck

Für den Herausgeber steht die Abkürzung "Hg.", die Abkürzung "Hrsg." ist veraltet.

6. Unveröffentlichte Quellen:

STADT WUPPERTAL, Amt 61/8 (1971): Bestandsaufnahme der Hauptbaufläche für die Gesamthochschule Wuppertal vom 30.07.1971

RIPL, W. (o.J.): Management of water cycle and energy flow for ecosystems control. The Energy-Transport-Reaction (ETR)-Model. Mskr. Inst. für Ökologie - Limnologie, Technische Universität Berlin

Eine solche Quelle ist mit "Mskr." für Manuskript oder dgl. als unveröffentlicht anzugeben. Wenn irgend möglich, sollten anstelle der unveröffentlichten Quellen veröffentlichte Texte zitiert werden.

Quellen aus dem Internet

Mittlerweile hat die weite Verbreitung und das große Angebot des Internet dazu geführt, daß teilweise gedruckte Quellen gar nicht mehr berücksichtigt werden. Das ist mit Sicherheit nicht sinnvoll. Zweckmäßig ist es aber, z. B. die zahlreichen Zeitschriften, die online über die ULB verfügbar sind, in die Recherche mit einzubeziehen.

Internetquellen sind (wie andere Quellen auch) einer kritischen Betrachtung zu unterziehen: sind sie hinreichend seriös oder steht dort lediglich eine mir genehme Aussage? Wer ist der Herausgeber, welche Interessen werden ggfs. mit der Internet-Präsenz verfolgt?

Das Zitieren der Internetquellen erfolgt grundsätzlich genauso wie das Zitieren anderer Quellen, mit Autor und Jahr. Im Text haben also die beliebten "http://www.irgendwo"-Angaben nichts verloren. Ist der Autor der Seite nicht erkenntlich, so kann ggfs. der Betreiber der Seite als Herausgeber zitiert werden. Dies trifft vor allem bei Behörden zu (etwa dem BMU oder dem BBR), die häufig grundsätzlich auf die Nennung von Personen verzichten, um die abgestimmte Behördenmeinung darzustellen. Ist jedoch weder Autor noch ein seriöser Herausgeber ausfindig zu machen, käme wie bei Druckwerken noch der "Anonymus" in Betracht - aber in den meisten Fällen sollten Sie dann auf die Seite besser ganz verzichten.

Im Verzeichnis erfolgt die Angabe nach dem Muster

Autor (Jahr): Titel. In: www.irgendwo.de/genauer/hier.php. Abruf: 00.00.20XX

Bei der http-Adresse ist die exakte Adresse anzugeben, da ansonsten das Dokument, auf daß Sie sich beziehen, kaum mehr auffindbar ist. Suchen Sie einmal eine bestimmte Seite unter der Angabe "www.uni-halle.de" - Sie werden entzückt sein. Zusätzlich wird das Datum des Seitenabrufs mit angegeben, da das Internet ein zuweilen schnell vergängliches Medium ist und Seiten schnell nicht mehr auffindbar sind.

Bei Zeitschriften, die Online verfügbar sind, wird häufig der DOI, digital object identifier, angegeben. Über diesen Code ist es möglich, den angegebenen Artikel auch dann wiederzufinden, wenn sich der Server oder die Domain, wo dieser vorgehalten wird, ändert. Deshalb sollte dieser mit angegeben werden.

Beispiele:

BUNDESANSTALT FÜR GEOWISSENSCHAFTEN UND ROHSTOFFE (BGR) (2006): Energiestudie. In: http://www.bgr.bund.de/nn_322848/DE/Themen/Energie/Produkte/energiestudie__2006__nichterneuerbar.html. Abruf: 19.06.2008

Kartenverzeichnisse

Die Dokumentation von Karten folgt im wesentlichen den Regeln für das Zitieren von Texten mit einigen sachbedingten, sinnvollen Modifikationen:

LANDESVERMESSUNGSAMT NORDRHEIN-WESTFALEN (Hg.) (1965): Deutsche Grundkarte 1 : 5000, Blatt Wuppertal, Friedrichsberg. - Düsseldorf

PREUßISCHE GEOLOGISCHE LANDESANSTALT (Hg.) (1924): Geologische Karte von Preußen und benachbarten deutschen Ländern 1 : 25000, Blatt 2576 (alt) = 4508 (neu) Essen. - Berlin

HANSA LUFTBILD GmbH (1967): Luftbildplan Wuppertal 1 : 10000. - Wuppertal

Gesetzestexte

Gesetzestexte werden etwas anders zitiert, da ihnen zum einen der Autor fehlt und zum anderen das Erscheinungsdatum (nicht bloß das Jahr) maßgebend ist. Gesetzestexte erscheinen in den Amts-, oder den Gesetz- und Verordnungsblättern der Länder und des Bundes im Original; wichtige Gesetzestexte werden zudem von Verlagen herausgegeben (der Verlag ist aber nie der Autor des Gesetzes!). Häufig gibt es für die Gesetze feststehende Abkürzungen, die zum Titel dazugehören (z.B. BNatSchG, Bundesnaturschutzgesetz).

GESETZ ÜBER NATURSCHUTZ UND LANDSCHAFTSPFLEGE VON BERLIN (NATSCHGBLN) vom 30. Januar 1979, letzte Änderung vom 3. Okt ober 1983. In: Naturschutzrecht = Beck-Texte, 5528. 3 neu bearb. u. erg. Aufl. 1987. - München

WALDGESETZ DES LANDES BRANDENBURG (LWALDG) v. 17.6.91. In: Gesetz- und Verordnungsblatt des Landes Brandenburg Nr. 14 v. 11.7.91, 213

VO ZUR DURCHFÜHRUNG DER APFELBAUMRODUNGSVERORDNUNG v. 24.4.91. In: Gesetz- und Verordnungsblatt des Landes Brandenburg Nr. 5 v. 8.5.91, 40

RDERL. D. MU v. 18.3.91: RICHTLINIE ÜBER DIE QUALITÄTSANFORDERUNGEN AN MUSCHELGEWÄSSER. In: Nds.MBl. Nr. 12 v. 18.4.91, 441

Dabei werden zahlreiche, mehr oder wenig verständliche Abkürzungen verwandt, hier nur einige Beispiele:

Abkürzungen

Bei der Erstellung von Literaturverzeichnissen sind eine Reihe von Abkürzungen üblich und sinnvoll, um den Umfang des Verzeichnisses gering zu halten:
Abh. Abhandlungen
Arch. Archiv
Aufl. Auflage
Bd./Bde. Band /Bände
Beitr. Beiträge
Diss. Dissertation
Ed./Eds. Editor, Editors
erg. ergänzte
erw. erweiterte
H. Heft
Hg. Herausgeber
Jb. Jahrbuch
Heimatk. Heimatkunde
Mitt. Mitteilung/en
Mskr. Manuskript
Nat.wiss.Ver. Naturwissenschaftlicher Verein
neubearb. neubearbeitete
o.J. ohne Jahr
Vol. Volume


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Autor: ChristianHildmann

Alle Rechte vorbehalten. Stand: 19.06.2008  Erste Fassung: 25.11.1994