Methoden und Modelle in der Geographie und Raumplanung

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Vorlesung: Methoden und Modelle in der Geographie und Raumplanung

Eignung für: Hauptstudium, auch 3./4. Sem. Grundstudium Dipl.-Geogr. u. Lehramt

Umfang: 2 SWS

Durchführung: Dr. B. Tauché


Wahrnehmung >>> Beschreibung >>> Verständnis >>> Anwendung

Statt einer Einleitung:

Was ist eine Idee? (Quid sit idea? - 1678) aus dem Lateinischen von Gottfried Wilhelm Leibniz

"Mit der Bezeichnung Idee meinen wir zunächst etwas, was in unserem Bewußtsein ist; Spuren von Eindrücken in unserem Gehirn sind keine Ideen, denn ich nehme als gewiß an, daß das Bewußtsein etwas anderes ist als Gehirn oder ein subtiler Teil des Gehirns ist.

Nun gibt es aber viele Dinge in unserem Bewußtsein wie z.B. Meinungen, Perzeptionen, Gefühle, von denen wir sicher wissen, daß sie keine Ideen sind, wenngleich sie auch ohne Ideen nicht entstehen könnten. Die Idee besteht für mich nicht in einem bestimmten Akt des Denkens, sondern in einem Vermögen, so daß wir die Idee eines Dinges haben können, selbst wenn wir nicht wirklich darüber nachdenken, doch bei gegebner [sic.] Gelegenheit darüber nachdenken können.

Jedoch zeigt sich hier eine gewisse Schwierigkeit, denn wir besitzen die Fähigkeit, über entlegene Dinge nachzudenken, von denen wir vielleicht gar keine Ideen haben, da wir nämlich die Fähigkeit haben, uns ihrer zu erinnern; de shalb verlangt eine Idee ein gewisses Vermögen, naheliegende Dinge denkend zu begreifen.

Doch dies genügt noch nicht, denn wer eine Methode hat, der er folgt, um ein Ding zu verstehen, hat deshalb noch nicht dessen Idee. Wenn ich z.B. nacheinander alle Kegelschnitte betrachte, gelange ich zwangsläufig zu einem Paar von Hyperb eln, obwohl ich noch gar keine Idee von ihnen habe. Es muß somit etwas in mir sein, das nicht nur zu dem Ding hinführt, sondern es auch ausdrückt.

Die Ausdrucksweise muß Beschaffenheiten enthalten, die den Beschaffenheiten des auszudrückenden Dinges entsprechen. Diese Ausdrucksweisen aber sind unterschiedlich; so drückt z.B. das Modell einer Maschine die Maschine selbst aus, eine perspektivische Umrißzeichnung drückt einen Körper aus, eine Rede drückt Gedanken und Wahrheiten aus, Zeichen drücken Zahlen aus, eine algebraische Gleichung drückt einen Kreis oder eine andere Figur aus: und weil diese Ausdrucksweisen etwas gemein haben mit der Beschaffenheit des ausgedrückten Dinges, können wir zum Wissen um die Eigenschaften des ausdrückten Dinges gelangen. Woraus folgt, daß das, was etwas ausdrückt, nicht notwendig von gleicher Art wie das Ausgedrückte sein muß, sofern nur eine gewisse Ähnlichkeit zwischen beiden gegeben ist.

Es ist klar, daß einige Ausdrucksweisen in der Natur selbst ihren Grund haben, während andere wenigstens teilweise willkürlich sind, wie etwa die Ausdrucksweisen von Geräuschen oder Schriftzeichen. Die in der Natur begründ eten verlangen entweder eine Ähnlichkeit, wie sie zwischen einem großen und einem kleinen Kreis oder zwischen einer Landschaft und ihrer Landkarte besteht, oder wenigstens eine solche Beziehung, wie sie zwischen einem Kreis und der Ellipse best eht, die ihn perspektivisch darstellt, denn es gibt eine genaue gesetzmäßige Entsprechung zwischen jedem Punkt der Ellipse und jedem Punkt des Kreises. In einem solchen Fall eine dem Kreis ähnliche Figur zu benutzen, würde ihn unzul&a uml;nglich ausdrücken. In ähnlicher Weise drückt jede unverfälschte Wirkung die ganze Ursache aus, da ich stets von der Kenntnis einer solchen Wirkung zur Kenntnis ihrer Ursache gelangen kann. So repräsentieren die Taten jedes ein zelnen seinen Geist, und die Welt selbst repräsentiert gewissermaßen Gott. Es kann auch vorkommen, daß das, was die gleiche Ursache hat, verschiedene Ausdrucksweisen hat, wie z.B. Gebärde und Sprache. So verstehen einige Gehörlo se Sprechende nicht von den Worten her, sondern von der Bewegung des Mundes.

Somit ist die Idee der Dinge, die in uns sind, ausschließlich der Tatsache zuzuschreiben, daß Gott, der Schöpfer sowohl der Dinge als auch des Bewußtseins, unserem Bewußtsein die Fähigkeit verliehen hat, aus seiner eigenen Tätigkeit das herzuleiten, was in allem dem, was in den Dingen ist, entspricht. Wenn aber auch die Idee des Kreises nicht genau dem Kreis gleicht, so können wir doch von der Idee auf Wahrheiten schließen, welche die Erfahrung hinsichtlich des wirklichen Kreises unzweifelhaft bestätigen würde."

* kursiv gesetzt nach Quelle

Quelle: Leinkauf, T. (1996): Leibniz. München, 95 - 96. (Philosophie jetzt!)


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Ziel und Inhalt der Lehrveranstaltung: Aus der Vielzahl von Modellen und Methoden werden einige ausgewählt und vorgestellt. Daran schließen sich Übungen in begrenztem Umfang, damit jeder die Anwendung nachvollziehen kann.

Themenfelder sind:

  1. Einführung und Begriffsklärung: System, Struktur, Ordnung, Methode, Analogie, Mathematik;
  2. Modellierung als Arbeitsprozeß;
  3. Die Graphentheorie als Instrument der Modellbildung;
  4. Strukturmaße;
  5. Hierarchien und die räumliche Ordnung;
  6. Städtesysteme und Rangordnungen;
  7. Kausale Strukturmodelle und Vernetzungen;
  8. Entropiemodelle;

Einbindung in weitere LV: Die Veranstaltung stellt u.a. Grundlagen für forschende und planende Tätigkeiten bereit. Darüber hinaus werden Ansätze zur Theoriebildung vermittelt.


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