3-Tagesexkursion "Landschaftswandel in der Lausitz"

Dozenten: Prof. Wilfried Kühling/ Dr. Anja Steglich

Datum: 11.06. - 13.06.2007

Die Lausitz ist eine Region im Wandel. Geprägt durch die Förderung fossiler Energieträger im Tagebau, versucht man heute in der Region eine "neue Identität" zu formulieren bzw. zu generieren. Erneuerbare Energieträger, regionale Produkte, sanfter Tourismus und Regionalmanagement sind nur einige Stichworte dieses Struktur- bzw. Landschaftswandels. Im Rahmen der Exkursion werden wir Inhalte, Akteure und Projekte dieses Transformationsprozesses kennenlernen.

Der erste Exkursionstag widmet sich den Themen Zwischenlandschaft, Plantagenwirtschaft, Industriekultur. Der zweite Tag führt uns zu Projekten der Biogas- und Bioethanolproduktion, zu Akteuren und Technologien einer nachhaltigen Forstwirtschaft sowie zur Wasserkraft im regionalen Maßstab. Am dritten Tag widmen wir uns den Themen Wasserwelten, sanfter Tourismus und der Landschaftsgestaltung. Hier ein kurzer Überblick über das Programm:

11.06.07: Tag 1: Zwischenlandschaft, Plantagenwirtschaft und Industriekultur

  • 8:00 Abfahrt MLU Halle, Von-Seckendorff-Platz 4
  • 10:15 Führung IBA-Terrassen, Großräschen
  • 11:45 Besichtigung der Ausstellung "Energieland Lausitz"
  • 15:00 Besichtigung Kurzumtriebsplantage, Luckau
  • 16:45 Führung über die Abraumförderbrücke F60, Lichterfeld
  • 19:45 Ankunft und Abendessen im Landschulheim Gröden
  • 12.06.07: Tag 2: Vom Landwirt zum Energiewirt, nachhaltige Forstwirtschaft und Wasserkraft

  • 9:00 Abfahrt Gröden
  • 9:15 Besichtigung Biogasanlage Bioethanol Schraden GmbH, Gröden
  • 12:30 Besichtigung Forstwirtschaftsamt Doberlug-Kirchhain, Technologien nachhaltiger Forstwirtschaft
  • 15:00 Besichtigung Brikettfabrik Louise
  • 16:45 Besichtigung Wasserkraftanlage, Neumühl
  • 19:00 Ankunft und Abendessen im Landschulheim Gröden
  • 13.06.07: Tag 3: Wasserwelten, Landschaftsentwicklung und Landschaftsgestaltung

  • 8:00 Abfahrt Gröden
  • 10:00 Besichtigung Schwimmende Häuser am Partwitzer/ Geierswalder See
  • 12:30 Besichtigung des/ Führung durch den Landschaftspark Bad Muskau
  • 15:00 Abfahrt nach Halle
  • 18:00 Ankunft MLU Halle, Von-Seckendorff-Platz 4
  • Highlights und nähere Informationen

    GROSSRÄSCHEN: IBA-TERRASSEN

    Im 19. Jahrhundert ließ die Förderung der Braunkohle Großräschen zur Industriestadt heranwachsen. Im Rahmen der Kohlegewinnung des Tagebaus Meuro wurde der Stadtteil Großräschen-Süd überbaggert. Der Tagebau Meuro zwischen Großräschen und Senftenberg wurde 1999 stillgelegt: "Seitdem befindet er sich in der Sanierung und damit in einem ständigen Transformationsprozess, der durch das steigende Wasser ab 2006 an Dynamik gewinnen soll." (IBA-Halbzeitdokumentation, 2005: 24)

    Durch das Engagement von Planern und Politikern entstand hier die Idee zur Durchführung einer Internationalen Bauausstellung. Heute befinden sich dort der Sitz der IBA-Geschäftsstelle und das zentrale Informations- und Ausstellungszentrum - die IBA-Terrassen - direkt an der ehemaligen Tagebaukante. Die Eröffnung der IBA-Terrassen erfolgte am 30. April 2004 mit der Ausstellung "ZeitmaschineLausitz.

    Wir starten hier, um einen Einblick in die Dimensionen des mit dem Bergbau verbundenen Landschaftswandels zu bekommen und werden in das Konzept, die Pläne und Projekte der IBA Fürst-Pückler-Land eingeführt.

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    (Bildnachweis: an den IBA-Terrassen/ Anja Steglich, 2006 und "Grund des Ilse-Sees"/ Arlett Mattescheck, 2006)

    weitere Informationen: IBA-Projekte

    PARTWITZER SEE/ GEIERSWALDER SEE: SCHWIMMENDE HÄUSER

    Mit der Marina der Schwimmenden Häuser soll in Geierswalde ein modellhaftes Beispiel und auch ein starkes Zeichen für das neue Lausitzer Seenland entstehen. Bis 2010 sind 32 Ferienhäuser als Teil wassersportorientierter Standorte geplant.

    Der Entwurf des Büros ecke:design geht auf Besonderheiten der "Architektur auf dem Wasser" ein: Auf einem mit Beton ummantelten Hartschaumkern-Ponton schwimmend bilden gebogene Stahlträger einen windangepassten und auf zwei Etagen nutzbaren Raum.

    Herr Feiler ist Projektbetreuer der Schwimmenden Häuser bei der IBA und wird uns das Konzept im Kontext der Entwicklung der Wasserlandschaft erläutern.

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    (Bildnachweis: geflutetes Tagebaurestloch in der Lausitz/ Anja Steglich, 2006)

    weitere Informationen: IBA-Projekte

    weitere Informationen: Förderverein Geierswalde

    LICHTERFELD: BESUCHERBERGWERK F 60

    Die Erschließung immer größerer Kohlefelder erforderte stets neue Lösungen beim Abtragen der Abraumschichten: Die F 60 ist die größte Abraumförderbrücke, die je gebaut wurde: Die Ausmaße der F60 belaufen sich auf stattliche 502 m Länge (198 m länger als der Eiffelturm hoch), 240 m Breite und 80 m Höhe. Ursprünglich wog sie 13.600 t. Die elektrische Leistung betrug 27 Megawatt, dies entspricht rund 36.200 PS (das Kraftwerk Schwarze Pumpe hat eine installierte Bruttoleistung von 1.600 Megawatt). Beide Bagger der F60 zusammen konnten theoretisch 29.000 Kubikmeter (50.000 t) pro Stunde abtragen, was eine maximale Jahresleistung von 130 Millionen Kubikmetern ermöglichte.

    Nach dreijähriger Bauzeit von 1988-1991 mit 1000 Beschäftigten nahm die F60 im März 1991 ihren Betrieb im Braunkohletagebau Klettwitz-Nord auf. Die Geschwindigkeit, mit der sich die F60 durch den Tagebau voranbewegte, lag bei 4 bis 12 m pro Minute (0,2 bis 0,7 km/h). Im Juni 1992 - nur 13 Monate - später wurde sie aus energiepolitischen Gründen wieder stillgelegt. Der Tagebau Klettwitz-Nord (1949 -1992) nahm insgesamt 6.364 ha Land in Anspruch.

    Mit Unterstützung der IBA bewahrte die Gemeinde Lichterfeld-Schacksdorf die F60 als letztes von fünf gebauten Seriengeräten vor der Sprengung. Am 17.12.1998 wurde die Gemeinde Eigentümer der Förderbrücke, des Werkstattwagens und von 70 ha des Umlandes. Am 19.02.2000 wurde der Stahlriese aus dem Tagebaurestloch an den heutigen Standort gefahren und zum Besucherbergwerk umgebaut.

    Das Tagebaurestloch an der F60 soll sich zum neuen Bergheider See mit einem Seevolumen von 41 Millionen m³ entwickeln. Namensgebend war der 1985 auf dieser Fläche abgebaggerte Ort Bergheide mit einst 1.600 Einwohnern.

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    (Bildnachweis: Blick zur F 60/ Arlett Mattescheck, 2006 und Blick von der F 60/ Arlett Mattescheck, 2006)

    weitere Informationen: F 60

    LANDSCHAFTSPARK BAD MUSKAU: FÜRST-PÜCKLER-KULTURLANDSCHAFT

    "Wer mich ganz kennen lernen will, muss meinen Garten kennen, denn mein Garten ist mein Herz." (Fürst Pückler: zu Muskau)

    "Historischer Ursprung der Landschaftsinsel Bad Muskau-Nochten ist der Fürst-Pückler-Park Bad Muskau, das Hauptwerk des Gartenkünstlers Fürst Pückler-Muskau. Die landschaftlichen Visionen Pücklers regen zur kreativen Auseinandersetzung mit umliegenden Landschaftsräumen an: dem Muskauer Faltenbogen, dem Neißetal sowie der Rekultivierungslandschaft des aktiven Tagebaus Nochten. Das eigenartige Oberflächenrelief des Muskauer Faltenbogens nahm Pückler als Grundlage für die Gestaltung seiner Landschaftsparks. Wie können diese Landschaften mit ihren Parks zu einer neuen Kulturlandschaft vernetz werden ? Ein spannungsvoller Bogen ergibt sich dabei vom Gartendenkmal über die Altbergbaulandschaft bis hin zur Landschaft des 21. Jhd. mit dem aktiven Tagebau"(IBA-Halbzeitdokumentation, 2005).

    weitere Informationen: IBA-Projekte

    Hinweis: Teilnahme an dieser Veranstaltung wird über Stud.IP organisiert.


    Stand: 23.05.2007 Anja Steglich