Entwicklung von Szenarien zur Ausnutzung des Potentials regenerativer Energieträger im ländlichen Raum am Beispiel des Steinbach-Einzugsgebietes (Wethau, Sachsen-Anhalt) als Beitrag zu einer nachhaltigen Energieversorgung

Kathleen Liese, 2004

Zusammenfassung

Mit der derzeitigen weltweiten Energieversorgung, die vorwiegend auf fossilen Energieträgern und Kernbrennstoffen basiert, ist ein Ausstoß klimawirksamer Gase und anderen Luftschadstoffen, ein Raubbau an endlichen Ressourcen und ein Eingriff in die Landschaft verbunden. Die Energieversorgung erfolgt zu Lasten zukünftiger Generationen und kann damit nicht als nachhaltig erachtet werden. Regenerative Energien bieten eine Alternative. Mit dem Einsatz erneuerbarer Energieträger werden CO2-Emissionen und Emissionen anderer Luftschadstoffe vermindert und endliche Ressourcen geschont. Besonders der gezielte Einsatz der Biomasse führt zu positiven Auswirkungen auf den Stoff-, Wasser-, und Energiehaushalt, auf die Lebewelt und das Erscheinungsbild einer Landschaft.

Da erneuerbare Energieträger dezentral in der Landschaft verteilt sind, können zudem teure Material- bzw. Energietransporte eingespart werden.

Die weltweite Situation spiegelt sich auch in dem ländlichen Beispielraum des Steinbach-Einzugsgebietes wider. Ländliche Räume scheinen mit der hohen Verfügbarkeit an nicht verbauter Fläche ein hohes Potential an regenerativen Energieträgern zu besitzen. Im Steinbach-Einzugsgebiet könnten mit dem technischen Potential an erneuerbaren Energieträgern der elektrische und der thermische Energiebedarf gedeckt werden. Mit dem hohen Kraftverbrauch, der begrenzt zur Verfügung stehenden Fläche (Rapsanbau) und den fehlenden effizienteren Umsetzungstechnologien (z.B. Elektrofahrzeuge) wäre keine Deckung des Kraftbedarfes auf Basis des technischen Entwicklungsstandes 2004 möglich. In der Ausgangssituation 2004 wird das bestehende Potential nur marginal ausgenutzt.

Mit der Verlängerung der derzeitigen Rahmenbedingungen in das Jahr 2020 (Trendszenario) erfolgt durch die Ausnutzung des Potentials nur die Gewährleistung der Deckung des elektrischen Energiebedarfes. Der Wärme- und der Kraftverbrauch werden nicht gedeckt. Das Potential wird vorwiegend aus Gründen fehlenden Umweltbewusstseins der im Steinbach-Einzugsgebiet Wohnenden und Geschäftstätigen, aber auch bedingt durch die Berücksichtigung anderer Raumbelange (im Fall der Windenergienutzung) nicht voll ausgeschöpft. Dennoch erfolgt im Vergleich zur Ausgangssituation mit dem verstärkten Einsatz erneuerbarer Energieträger eine erheblich umweltfreundlichere Energieversorgung. CO2-Emissionen, Emissionen anderer Luftschadstoffe werden reduziert und endliche Ressourcen eingespart. Durch die eingeführte dezentrale Energieversorgung sind Einsparungen an teuren Energietransporten möglich. Die im Vergleich zur Ausgangsflächennutzung 2004 erweiterten Gehölzstrukturen dienen sowohl der Energieproduktion als auch einer nachhaltigeren Landnutzung.

Das Zielbild einer nachhaltigen Energieversorgung mit einem Beitrag zu einer nachhaltigen Flächennutzung scheint im Jahr 2050 für das Steinbach-Einzugsgebiet realistisch. Trotz der nicht vollständigen Ausnutzung des technischen Potentials (im Fall der Windenergienutzung) wird der gesamte Energieverbrauch im Steinbach-Einzugsgebiet mit den innerhalb der Einzugsgebietsgrenzen befindlichen erneuerbaren Energieträgern entsprechend dem Leitbild der Nachhaltigkeit gedeckt. Um dieses Ziel 2050 zu erreichen, bedarf es kaum veränderter Rahmenbedingungen im Vergleich zum Trendszenario. Lediglich die teilweise Übertragung staatlicher Aufgaben auf die Einwohner zur Erzeugung eines Verantwortungsgefühles stellt ein neues Instrument dar. Damit kann davon ausgegangen werden, dass mit den gegenwärtigen Entwicklungen auf lange Sicht eine nachhaltige Energieversorgung mit einem Beitrag zu einer nachhaltigen Landnutzung etabliert werden kann. Diese Entwicklung kann auch auf andere ländliche Einzugsgebiete übertragen werden.


Stand: 09.02.2006 Christian Hildmann